Google bereitet in Europa weitere Änderungen an der Darstellung von Suchergebnissen vor. Nach einem Reuters-Bericht (via The Verge) sollen bei bestimmten Suchanfragen künftig auch konkurrierende vertikale Dienste (u. a. für Hotels und Flüge) prominenter erscheinen als Reaktion auf das laufende Verfahren der EU-Kommission nach dem Digital Markets Act (DMA).
- Plattformregulierung
Google bereitet Änderungen an der EU-Suche vor - DMA-Verfahren wegen Selbstbevorzugung läuft weiter
von Olivia Wykretowicz
Vorwurf der Selbstbevorzugung in der Suche
Die EU-Kommission prüft, ob Alphabet/Google in der allgemeinen Suche eigene spezialisierte Angebote (z. B. Shopping-, Hotel- und Flugdienste) strukturell bevorzugt und dadurch Drittanbieter benachteiligt. Bereits im März 2025 hat die Kommission hierzu vorläufige Feststellungen (“preliminary findings”) übermittelt.
Rechtlich knüpft der Vorwurf insbesondere an Art. 6 Abs. 5 DMA an: Gatekeeper dürfen eigene Produkte oder Dienste in Ranking sowie damit zusammenhängender Indexierung und Crawling nicht günstiger behandeln als vergleichbare Drittangebote und müssen transparente, faire und nichtdiskriminierende Ranking-Bedingungen anwenden.
Was Google konkret testet
Nach der Berichterstattung sollen die Anpassungen stufenweise in Europa ausgerollt werden. Zunächst im Bereich Unterkünfte/Hotels, anschließend u. a. für Flüge sowie weitere vertikale Bereiche (z. B. Restaurants und Transport). Kern der Tests: Top-platzierte Rivalen-Angebote sollen in der Ergebnisdarstellung stärker nach oben rücken, statt dass Google-eigene Einheiten standardmäßig im Vordergrund stehen.
Sanktionsrisiko
Bei DMA-Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes (bei wiederholten Verstößen ggf. mehr). Vor diesem Hintergrund steht für Alphabet wirtschaftlich viel auf dem Spiel, falls die Kommission am Ende eine förmliche Nicht-Compliance feststellt.
Einordnung für Unternehmen und Plattformakteure
Für Unternehmen, deren Reichweite und Akquise stark von Suchmaschinen abhängt, können Änderungen an Google-Layouts unmittelbar messbare Effekte haben – je nachdem, ob und wie stark Vergleichsportale, Direktanbieter oder Marktplätze künftig Sichtbarkeit gewinnen oder verlieren. Parallel dazu steigt der rechtliche Druck auf Gatekeeper-Plattformen, Ranking- und Produktentscheidungen in Europa DMA-konform auszugestalten und dokumentierbar zu begründen.
Der Vorgang fügt sich in den angekündigten Durchsetzungskurs der EU ein. Bereits Anfang Januar 2026 hatten wir berichtet, dass die Kommission für 2026 strengere Kontrollen und eine konsequentere Durchsetzung von DSA und DMA angekündigt hat („EU verschärft Durchsetzung von DSA und DMA: Strengere Kontrollen ab 2026 angekündigt“).