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Fake-Bewertungen auf Trustpilot? Was betroffene Unternehmen jetzt wissen müssen

Eine Trustpilot-Bewertung ist kein Echtheitszertifikat. Nur weil eine Bewertung auf Trustpilot veröffentlicht wird, steht nicht fest, dass die geschilderte Erfahrung tatsächlich stattgefunden hat oder dass ihr Inhalt richtig ist.

Das zeigt schon Trustpilots eigener Umgang mit dem Problem: Nach dem Trust Report 2025 entfernte die Plattform im Jahr 2024 rund 4,5 Millionen Bewertungen als gefälscht. Ein systematischer Test zeigte zugleich, dass bewusst erfundene Bewertungen die Kontrollmechanismen passieren können. Im März 2026 verhängte die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM gegen Trustpilot außerdem ein Bußgeld von vier Millionen Euro – unter anderem wegen aus Sicht der Behörde unzureichender Kontrollen zur Echtheit veröffentlichter Bewertungen.

Das bedeutet nicht, dass Trustpilot-Bewertungen generell falsch sind. Es bedeutet aber: Wer sich über ein Unternehmen informiert, sollte einer Bewertung nicht allein deshalb vertrauen, weil sie auf Trustpilot steht.

Erstmals veröffentlicht am 27. Mai 2025 – aktualisiert am 23. August 2026

von Carl Christian Müller

Fake-Bewertungen auf Trustpilot? Was betroffene Unternehmen jetzt wissen müssen

Kann man Trustpilot-Bewertungen vertrauen?

Trustpilot-Bewertungen können eine Orientierung geben. Sie beweisen aber nicht, dass eine einzelne Bewertung echt ist oder dass die dort geschilderten Vorwürfe zutreffen.

Trustpilot ist ein offenes Bewertungsportal. Verbraucher können Unternehmen bewerten, wenn ihrer Bewertung eine echte Kauf- oder Serviceerfahrung zugrunde liegt. Nach eigenen Angaben prüft Trustpilot Bewertungen automatisiert auf Anzeichen von Manipulation, Missbrauch und Fake-Inhalten.

Diese Kontrollen erkennen viele problematische Bewertungen. Sie sind aber keine Garantie dafür, dass jede veröffentlichte Bewertung echt ist.

Genau darin liegt die Ambivalenz offener Bewertungsportale: Sie ermöglichen Verbrauchern, ihre Erfahrungen unkompliziert öffentlich zu teilen. Gleichzeitig können solche Systeme für erfundene, gekaufte oder anderweitig manipulierte Bewertungen missbraucht werden – positiv wie negativ.

Die pauschale Frage „Ist Trustpilot seriös?“ führt deshalb in die Irre. Richtiger ist: Trustpilot verfügt über erhebliche Kontrollmechanismen. Trotzdem können falsche, erfundene oder rechtswidrige Bewertungen veröffentlicht werden.

Woran erkennt man Fake-Bewertungen auf Trustpilot?

Von außen lässt sich häufig nicht sicher feststellen, ob eine Trustpilot-Bewertung gefälscht ist. Einzelne Auffälligkeiten können Hinweise liefern. Beweise sind sie nicht.

Auffällig können etwa sein:

  • sehr allgemeine Texte ohne konkrete Angaben zur angeblichen Erfahrung,

  • ungewöhnlich viele ähnliche Bewertungen innerhalb kurzer Zeit,

  • wiederkehrende oder auffällig gleichförmige Formulierungen,

  • Bewertungsprofile, deren bisherige Aktivität nicht zum geschilderten Vorgang passt,

  • starke Vorwürfe ohne nachvollziehbaren Tatsachenkern.

Umgekehrt gilt aber auch: Eine kurze, unter einem Pseudonym veröffentlichte oder sehr kritische Bewertung ist nicht automatisch gefälscht. Auch ein neues Nutzerprofil, ein ungewöhnlicher Schreibstil oder eine harte Formulierung beweisen für sich genommen keinen Missbrauch.

Entscheidend ist das Gesamtbild: Beschreibt der Rezensent eine konkrete und nachvollziehbare Erfahrung? Oder bleibt die Bewertung bei austauschbaren Behauptungen ohne erkennbaren Bezug zu einem tatsächlichen Vorgang?

Sie fragen sich gerade, ob Sie bei einem bestimmten Online-Shop kaufen sollen?

Dann sollten Sie sich nicht allein auf den Trustpilot-Score verlassen.

Ein guter Sterne-Durchschnitt kann ein Informationspunkt sein. Er ist aber kein Nachweis dafür, dass ein Anbieter zuverlässig ist. Aussagekräftiger als die bloße Zahl der Sterne sind konkrete Bewertungen: Was wurde gekauft oder beauftragt? Was soll tatsächlich passiert sein? Worauf beziehen sich Lob oder Kritik?

Prüfen Sie außerdem weitere Anhaltspunkte: Impressum, Zahlungsarten, andere unabhängige Quellen, Unternehmenshistorie und die Plausibilität der Bewertungen insgesamt.

Kurz gesagt: Trustpilot kann bei der Einschätzung helfen. Trustpilot ersetzt keine eigene Prüfung.

Der Test: 86 erfundene Bewertungen, 31 veröffentlicht

Ein systematisch angelegter Test zeigte, dass auf Trustpilot gefälschte Bewertungen veröffentlicht werden können.

Der Test wurde vom Deutschen Innovationsinstitut für Künstliche Intelligenz (DIKI) in Kooperation mit Prof. Dr. Thomas Liebetruth von der OTH Regensburg durchgeführt. Zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 reichten 79 Testpersonen insgesamt 86 gezielt falsche Bewertungen ein: 43 positive und 43 negative.

31 dieser Fake-Bewertungen wurden veröffentlicht. Darunter waren zehn positive und 21 negative Bewertungen. Die übrigen 55 Testbewertungen wurden nicht veröffentlicht oder blieben nicht online.

Auch die Wettbewerbszentrale befasste sich anschließend mit dem Vorgang und verlangte nach damaliger Berichterstattung eine Stellungnahme von Trustpilot zu Aussagen über die Authentizität der auf der Plattform veröffentlichten Bewertungen.

Wichtig ist, was diese Zahlen nicht zeigen: Aus dem Test folgt nicht, dass 36 Prozent aller Trustpilot-Bewertungen gefälscht sind. Untersucht wurde eine gezielt manipulierte Testsituation. Der Versuch zeigt nicht die allgemeine Fake-Quote auf Trustpilot. Er zeigt aber, dass erfundene Bewertungen die Kontrollmechanismen der Plattform passieren können.

→ Zum Bericht über den Test mit 86 Fake-Bewertungen

Was tut Trustpilot gegen Fake-Bewertungen?

Trustpilot setzt automatisierte Erkennungssysteme, maschinelles Lernen und generative KI ein, um gefälschte Bewertungen zu erkennen und zu entfernen.

Nach dem Trust Report 2025 entfernte Trustpilot im Jahr 2024 rund 4,5 Millionen Bewertungen als gefälscht. Das entsprach 7,4 Prozent aller in diesem Jahr eingereichten Bewertungen. 2023 waren es 6,1 Prozent.

Rund 90 Prozent dieser 4,5 Millionen Fake-Bewertungen wurden automatisiert entfernt. Trustpilot setzt dafür nach eigenen Angaben unter anderem maschinelles Lernen, neuronale Netze und generative KI ein. 2024 führte die Plattform außerdem Technologie ein, die gezielt nach Anzeichen für gekaufte Bewertungen sucht.

Fake-Bewertungen sind dabei nicht nur ein Problem negativer Rezensionen. Der größte Teil der 2024 von Trustpilot entfernten Fake-Bewertungen war positiv: Rund 3,4 Millionen entfielen auf 5-Sterne-Bewertungen, gegenüber rund 627.000 entfernten 1-Sterne-Bewertungen.

Auch Verbraucher und Unternehmen melden verdächtige oder regelwidrige Bewertungen. 2024 wurden rund 92.000 Bewertungen von Verbrauchern und rund 61.000 Bewertungen von Unternehmen gemeldet. Insgesamt wurden im selben Jahr rund 61 Millionen Bewertungen auf Trustpilot veröffentlicht.

Diese Zahlen zeigen beide Seiten des Problems: Trustpilot investiert erheblich in die Erkennung gefälschter Bewertungen. Gleichzeitig zeigen Millionen entfernter Fake-Bewertungen, wie stark ein offenes Bewertungsportal mit Manipulationsversuchen umgehen muss.

→ Trustpilot Trust Report 2025

Ist sichtbar, wenn ein Unternehmen Bewertungen meldet?

Ja. Trustpilot macht Informationen über das Meldeverhalten von Unternehmen öffentlich sichtbar.

Im Bereich zur Unternehmenstransparenz können Besucher eines Trustpilot-Profils nachvollziehen, wie das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Bewertungen gemeldet hat.

Das ist für Unternehmen wichtig. Wer Bewertungen meldet, tut dies auf Trustpilot also nicht vollständig unsichtbar. Eine Beanstandung sollte deshalb nicht nach dem Motto erfolgen: möglichst viel melden und sehen, was passiert.

Deshalb prüfen wir vor einer rechtlichen Beanstandung, ob eine Bewertung einen belastbaren Angriffspunkt bietet. Beanstandet wird nicht alles, was negativ ist. Beanstandet wird das, wofür es einen rechtlichen oder regelbasierten Löschungsgrund gibt.

→ Trustpilot: So funktionieren Bewertungen und Unternehmenstransparenz

Warum wurde Trustpilot 2026 mit eine Geldbuße von vier Millionen Euro belegt?

Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM verhängte am 23. März 2026 ein Bußgeld von vier Millionen Euro gegen Trustpilot. Hintergrund war aus Sicht der Behörde eine unlautere Geschäftspraxis.

Nach den Feststellungen der AGCM hatte Trustpilot keine ausreichenden Kontrollen vorgenommen, um die Echtheit der auf der Plattform veröffentlichten Bewertungen sicherzustellen. Die Behörde bezog diese Kritik ausdrücklich auch auf Bewertungen, die Trustpilot als verifiziert gekennzeichnet hatte.

Die AGCM beanstandete außerdem das System der Bewertungseinladungen. Unternehmen können auswählen, welchen Kunden sie eine Einladung zur Bewertung senden. Nach Auffassung der Behörde kann dies beeinflussen, wie repräsentativ das auf Trustpilot entstehende Gesamtbild ist.

Hinzu kamen Beanstandungen zur Transparenz der Plattform. Nach Ansicht der AGCM erhielten Verbraucher nicht ausreichend Informationen über bestimmte Funktionsweisen von Trustpilot und über die Nutzung kostenpflichtiger Angebote durch Unternehmen.

Trustpilot widerspricht der Entscheidung und hat ein Rechtsmittel gegen die Feststellungen der AGCM angekündigt.

Auch dieses Verfahren rechtfertigt keine pauschale Aussage, Trustpilot oder sämtliche dort veröffentlichten Bewertungen seien unseriös. Es zeigt aber: Wie echt, repräsentativ und aussagekräftig Trustpilot-Bewertungen sind, ist inzwischen auch Gegenstand behördlicher Verfahren.

→ Unsere ausführliche Einordnung: Trustpilot – 4 Millionen Euro Bußgeld wegen irreführender Bewertungspraktiken

Was können Unternehmen gegen falsche Trustpilot-Bewertungen tun?

Eine Trustpilot-Bewertung wird nicht unangreifbar, nur weil die Plattform sie veröffentlicht hat. Falsche und andere rechtswidrige Bewertungen können beanstandet und gelöscht werden.

Entscheidend ist die konkrete Bewertung. Hat es die behauptete Erfahrung mit dem Unternehmen überhaupt gegeben? Enthält die Bewertung falsche Tatsachen? Werden tatsächliche Vorgänge falsch dargestellt? Enthält der Text Beleidigungen oder andere rechtswidrige Aussagen?

Dabei muss zwischen Fake-Bewertungen und anderen rechtswidrigen Bewertungen unterschieden werden. Eine Fake-Bewertung beruht auf keiner echten Erfahrung. Eine rechtswidrige Bewertung kann dagegen auch von einem echten Kunden stammen – etwa wenn dieser nachweisbar falsche Tatsachen behauptet.

Umgekehrt ist eine Bewertung nicht allein deshalb rechtswidrig, weil sie negativ, hart formuliert oder geschäftsschädigend ist. Wahre Tatsachenbehauptungen und zulässige Meinungsäußerungen sind grundsätzlich hinzunehmen.

Welcher Weg sinnvoll ist, hängt vom konkreten Fall ab. Ist der Rezensent unbekannt oder wird bereits der Geschäftskontakt bestritten, ist häufig Trustpilot der zentrale Adressat. Stehen Verfasser und Geschäftskontakt dagegen fest, kann auch ein unmittelbares Vorgehen gegen den Rezensenten sinnvoll sein.

Dass Trustpilot wegen einer rechtswidrigen Bewertung gerichtlich auf Unterlassung in Anspruch genommen werden kann, zeigt ein von Mueller.legal geführtes Verfahren vor dem LG Erfurt. Mit Urteil vom 22.04.2026 – 10 O 304/25 verurteilte das Gericht Trustpilot zur Unterlassung der weiteren Veröffentlichung einer Bewertung. Das Urteil ist rechtskräftig.

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