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kununu-Score seit September 2026: Neue Bewertungen zählen deutlich stärker

Seit dem 1. September 2026 berechnet kununu den Arbeitgeber-Score nach einem neuen Verfahren. Aktuelle Mitarbeiterbewertungen erhalten dabei ein deutlich höheres Gewicht als ältere Rezensionen. Eine neue Bewertung zählt rechnerisch bis zu 20-mal so stark wie eine Bewertung, die mehr als vier Jahre zurückliegt.

Für Arbeitgeber kann das erhebliche Folgen haben: Selbst Unternehmen mit vielen älteren positiven Bewertungen können durch wenige neue negative Rezensionen deutlich an Punkten verlieren. Umso wichtiger wird es, aktuelle Bewertungen im Blick zu behalten und rechtswidrige kununu-Bewertungen frühzeitig prüfen zu lassen.

von Olivia Wykretowicz

Person betrachtet Arbeitgeberbewertungen

So funktioniert die neue Berechnung des kununu-Scores

Bislang wurden Mitarbeiterbewertungen bei der Berechnung des Gesamtscores gleich gewichtet. Seit September berücksichtigt kununu dagegen, wie lange die jeweilige Bewertung zurückliegt.

Die neue Gewichtung sieht folgendermaßen aus:

Alter der Bewertung Gewichtung
Bis zu 1 Jahr 100 %
1 bis 2 Jahre 75 %
2 bis 3 Jahre 50 %
3 bis 4 Jahre 25 %
Über 4 Jahre 5 %

Maßgeblich ist das Veröffentlichungsdatum beziehungsweise das Datum der letzten Aktualisierung. Der Score wird automatisch neu berechnet, wenn neue Mitarbeiterbewertungen erscheinen, vorhandene Bewertungen aktualisiert werden oder eine Bewertung eine neue Altersstufe erreicht.

Ältere Bewertungen verschwinden dadurch nicht vom Unternehmensprofil. Sie bleiben sichtbar, beeinflussen den Gesamtscore aber immer weniger. Bewerberbewertungen werden laut kununu weiterhin separat angezeigt und fließen nicht in den Arbeitgeber-Score ein.

Die Einzelheiten erläutert kununu in seiner am 4. August 2026 veröffentlichten Dokumentation zur Score-Berechnung.

Warum eine einzelne negative Bewertung jetzt stärker ins Gewicht fallen kann

Ein Unternehmen kann über Jahre zahlreiche positive Arbeitgeberbewertungen gesammelt haben. Nach der neuen Berechnung bieten diese älteren Bewertungen jedoch weniger rechnerisches Gegengewicht zu aktuellen Rezensionen.

Das betrifft nicht nur neue negative Bewertungen. Auch bereits vorhandene Bewertungen verlieren mit zunehmendem Alter an Gewicht. Der Gesamtscore kann sich deshalb verändern, obwohl keine neue Rezension veröffentlicht wurde.

Wie stark eine einzelne Bewertung die Gesamtnote beeinflusst, hängt von der Anzahl, dem Alter und den vergebenen Sternen sämtlicher einbezogener Bewertungen ab.

Die neue Berechnung kann sich für Arbeitgeber somit in beide Richtungen auswirken. Unternehmen mit überwiegend aktuellen positiven Bewertungen können profitieren. Wer dagegen hauptsächlich ältere gute Bewertungen vorweisen kann und zuletzt schlechter beurteilt wurde, muss mit einem Rückgang seines Scores rechnen.

Was bedeutet die Änderung für die Löschung negativer kununu-Bewertungen?

Die neue Gewichtung verändert nicht die rechtlichen Voraussetzungen für eine Löschung. Eine negative Bewertung wird nicht allein deshalb rechtswidrig, weil sie den Gesamtscore erheblich verschlechtert.

Arbeitgeber können jedoch gegen Bewertungen vorgehen, wenn konkrete rechtliche Angriffspunkte bestehen. Das kommt beispielsweise bei unwahren Tatsachenbehauptungen, beleidigenden Inhalten oder Bewertungen ohne tatsächlichen Beschäftigungskontakt in Betracht.

Gerade bei anonymen Bewertungen sind die Prüfpflichten des Portals relevant. Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 9. August 2022 (Az. VI ZR 1244/20) entschieden, dass grundsätzlich bereits das Bestreiten eines tatsächlichen Kontakts Prüfpflichten auslösen kann. Für anonyme Arbeitgeberbewertungen hat das OLG Hamburg diese Anforderungen in mehreren Entscheidungen konkretisiert.

Mehr zur Rechtsprechung über anonyme kununu-Bewertungen und die Prüfpflichten des Portals.

Die neue Score-Berechnung verleiht dem zeitlichen Aspekt allerdings zusätzliche Bedeutung. Nach Einschätzung von Mueller.legal sollten Arbeitgeber bei der Prüfung ihres kununu-Profils deshalb nicht nur auf die schlechtesten Bewertungen achten, sondern auch berücksichtigen, wie stark diese aufgrund ihres Alters in die Gesamtnote einfließen.

Eine hohe rechnerische Gewichtung ersetzt dabei keinen rechtlichen Löschungsgrund.

Aktuelle kununu-Bewertungen regelmäßig überprüfen

Für Unternehmen wird es wichtiger, neue Bewertungen zeitnah zu erfassen. Wer sein Profil nur gelegentlich kontrolliert, bemerkt möglicherweise erst spät, dass eine aktuelle negative Bewertung den Gesamtscore verändert hat.

Mueller.legal empfiehlt Arbeitgebern, neue negative Bewertungen zunächst auf konkrete Rechtsverletzungen und Verstöße gegen die Plattformregeln prüfen zu lassen. Eine vorschnelle öffentliche Antwort kann insbesondere bei anonymen Rezensionen problematisch sein, wenn dadurch ein zuvor nicht nachvollziehbarer Beschäftigungskontakt bestätigt wird.

Nicht jede schlechte Bewertung lässt sich entfernen. Bestehen jedoch rechtliche Angriffspunkte, kann eine begründete Beanstandung gegenüber kununu oder ein Vorgehen gegen den Verfasser in Betracht kommen.

Sie möchten eine negative kununu-Bewertung prüfen lassen? Mueller.legal prüft kostenfrei, ob ein rechtlicher Angriffspunkt besteht, und empfiehlt Ihnen das weitere Vorgehen.

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